Bereit für neue Arbenteuer!
Ich hatte die letzten Wochen aufgrund der Uni-Abgaben und meiner weiteren Reisevorbereitungen leider wenig Zeit für den Blog hier. Meinen Erfahrungsbericht für die HCU habe ich trotzdem schon einmal geschrieben. Ich freue mich riesig auf das Sommercamp jetzt. Ich bin bereit, kann Barcelona mit einem Lächeln verlassen und habe Lust und Energie auf San Diego, die Kids und Surfen! Ich mache mir ein wenig Gedanken um meine Ankunft in L.A. aber ich werde mich einfach direkt zur Bahnstation begeben. Mein Stipendium für Mexiko freut mich natürlich auch riesig. Also, die Dinge laufen und laufen, ich würde sagen, ich habe eine gute Welle erwischt!
Hier jedoch erst einmal mein Erfahrungsbericht für die Uni:
Erfahrungsbericht Lennard Koeppen I ETSAV I SoSe 2025
Vorwort
Moin, ich bin Lennard Koeppen, 22 Jahre alt und studiere Stadtplanung an der HCU. Im Rahmen von Erasmus+ durfte ich mein 6. Semester an der Escuela Técnica Superior de Arquitectura del Vallès verbringen. Hier habe von Februar bis Juni 2025 fünf, mich für immer prägende, Monate verbracht.
Vorbereitung
Die Vorbereitung für einen Aufenthalt im spanischsprachigen Ausland hat für mich ca. 2 Jahre vor dem Auslandsaufenthalt begonnen. An der Uni Hamburg habe ich 2023 begonnen meine Schulspanischkenntnisse wiederaufzubessern. Fortan habe ich dort jedes Semester jeweils einen Sprachkurs belegt. Von der Qualität her kann ich diese im Nachhinein zwar nicht empfehlen, dafür sind sie voll mit anderen Studis, günstiger und insgesamt 5 ECTS lassen sich auch an der HCU als freies Wahlpflichtfach anrechnen. Im Januar 2024 habe ich mich für einen Auslandsaufenthalt im spanischsprachigen Ausland beworben und bin schließlich über Umwege im Sommer 2024 an der UPC-ETSAV nominiert worden. Da dort ein spanisches B1 als Sprachniveau verlangt wird, habe ich kurzfristig den Sommer über Spanisch-Intensivkurse im, deutlichen besseren aber auch teureren, Cervantes Institut Hamburg belegt. Anschließend habe ich im September 2024 in einer Sprachschule in Valencia mein B1 DELE-Zertifikat erlangt. Der von mir geleistete Aufwand das geforderte Spanischzertifikat rechtzeitig zu erreichen, war insgesamt mit viel Zeit und Geld verbunden. In Anbetracht der Tatsache, dass andere internationalen Kommilitonen an der ETSAV mit englischen Sprachzertifikaten angenommen wurden, war das durchaus frustrierend.
Beide International Offices haben in der Sache gut zusammengearbeitet. Die Kommunikation war stets schnell und professionell. Es sollte berücksichtigt werden, dass an der ETSAV gegenwärtig einige Vorgänge noch nicht digitalisiert sind. Für das Auslandssemester habe ich von Beginn meines HCU-Studiums an, die Kurse so gewählt, dass mein 6. Fachsemester veranstaltungsfrei sein würde und ich und ich im 7. Fachsemester das Praktikum und die Bachelorarbeit absolvieren kann. Für das Auslandssemester habe ich mich offiziell von der HCU beurlauben lassen, wodurch einem die Gebühren für das Semesterticket zurückerstattet werden und das Semester als Urlaubs- und nicht als Fachsemester gezählt wird. Der HCU-Semesterbeitrag muss trotzdem gezahlt werden, um an der HCU immatrikuliert zu bleiben und den Austausch absolvieren zu können. Da mein Frühlingssemester an der ETSAV offiziell am 01.02.2025 begonnen hat, bestand eine starke Überschneidung mit dem Wintersemester an der HCU, welches am 31.03.2025 endete. Dies bedurfte einiger Koordination hinsichtlich der Prüfungsleistungen an der HCU. Einige Profs haben mir netterweise einen früheren Klausurtermin angeboten, während ich für die Rechtklausur noch bis zum 07.02 in Hamburg bleiben musste. Da die meisten Abgabefristen in der Stadtplanung ca. um den 15.03 liegen, ist die weitere Bearbeitung von HCU-Projekten, wie dem P3, in Barcelona kaum vermeidbar. Da die Projektarbeit üblicherweise zum Ende sehr arbeitsintensiv wird, hat mir das P3, neben anderen Abgaben, in der anfänglichen zeitlichen Überschneidung beider Hochschulsemester durchaus Probleme bereitet. Da gerade die Anfangsphase auch die kontaktintensive Kennenlernphase in der Erasmuswelt ist, empfehle ich, Kurse lieber ins 7. Fachsemester zu schieben.
Unterkunft
Im November 2024 habe ich mich nach der Annahmebestätigung der ETSAV auf die Wohnungssuche gemacht. Da die Wohnheime hier ausschließlich von privaten Trägern betrieben werden sind die Preise absurd hoch, weshalb ich mich schnell für eine WG entschied. Da der Wohnungsmarkt ähnlich wie in Hamburg sehr angespannt ist, ist nicht mit niedrigen Preisen als 500 Euro für ein WG-Zimmer zu rechnen. Ich zahle mit 550 Euro vergleichsweise wenig, dafür hat das Zimmer interessanterweise nur ein Fenster, dass sich zum kaum belichteten Treppenhaus öffnen lässt. In Barcelona ist es üblich, dass Zimmer mit kaum oder ganz ohne natürliche Belichtung an Studierende vermietet werden. Nach den 5 Monaten ohne natürliches Licht rate ich sehr stark dazu ehr 600-700 Euro für ein WG-Zimmer auszugeben. Findig wird man über Agenturen, die Zimmer auf Portalen wie Housing-Anywhere oder Idealista anbieten. Anders als in Hamburg ist der Markt dadurch insgesamt deutlich transparenter und es lässt sich schnell eine Wohnung finden. Nachdem ich mit Adrian Hahn gesprochen hatte, dessen Empfehlungsbericht ich sehr empfehlen kann, habe ich ebenfalls die Entscheidung getroffen in Barcelona und nicht in St. Cugat zu wohnen. Das ist für mich die richtige Entscheidung gewesen, weil Barcelona einfach deutlich beeindruckender ist. Um dennoch in ca. 45 Minuten zur ETSAV zu gelangen, kann ich wärmstens empfehlen, sich ein Apartment in der Nähe einer der Haltestelle der S-Bahnlinien S1 und S2 zu suchen. Ich wohne in St. Gervasi und fühle mich in dem Stadtviertel sehr wohl.
Studium an der Gasthochschule
Die regulären Lehrveranstaltungen im Frühlingssemester finden an der ETSTAV von der zweiten Februarwoche bis in die zweite Juniwoche statt. Das Studium an der Gasthochschule war für mich insgesamt mehrdimensional. Als Stadtplaner hatte ich bedenken, ob ich in in der zweitbesten Architekturschule des Landes mithalten kann. Mit meiner Kurswahl habe ich jedoch eine gute Entscheidung getroffen haben, die mich akademisch zwar gefordert aber dafür bereichert und nicht überfordert hat. Insbesondere das Erlernte im TAP hat meinen Blick für die Details im Städtebau geschärft. Ich bin mir sicher, dass das erworbenes Grundverständnis für die architektonische Blickweise und dessen Belange meine Karriere zukünftig bereichern werden. Außerdem kann ich jetzt sehr viel besser zeichnen. Ohne Bedenken kann ich daher das einzige englischsprachige Projekt TAP IX Barcelona+ empfehlen. Die beiden Professoren Enrique und Pablo sind sehr erfahren und aufgeschlossen gegenüber internationalen Studenten. Außerdem habe ich den spannenden Wahlpflichtkurs LOW3, geleitet vom deutschen Auswanderer Thorsten, belegt, bei dem neben der Theorie auch die praktische Umsetzung eines Projektvorschlags für sein Solarhaus im Vordergrund stand. Abschließend habe ich mich in den katalanischen Stadtplanungskurs Urbanistica IV eingeschrieben, weil mich das Thema der Integration von Stadtinfrastruktur angesprochen hat und weil ich es mit dem Katalanisch probieren wollte. Mit meiner Kurswahl bin ich auf 21 ECTS gekommen. Mehr ECTS zu erreichen, war aufgrund der geringen Anzahl an englischen und spanischen Kursen sowie Kursüberschneidungen nicht möglich.
Über das Katalanische könnte ich mich lange auslassen. Generell lässt sich festhalten, dass hinter den Bergen Barcelonas überwiegend katalanisch gesprochen, während spanisch in Barcelona noch üblicher ist. Die ETSAV ist also eine katalanische Universität, an der hauptsächlich katalanisch gesprochen wird. In Deutschland herrscht meiner Ansicht nach eine verzerrtes Bild von Katalonien und dem Katalanischen. Nach meinem 5-monatigen Aufenthalt verstehe ich besser, dass insbesondere hinter den Bergen, eine starke Abneigung gegenüber Spanien und dem Spanischen besteht. Ich habe auch gelernt, dass Spanisch als eigenständige Sprache im Grunde gar nicht existiert. Spanisch nach deutschem Verständnis ist Castellón - eine Sprache, die nur in einem Teil des multiethnischen Spaniens gesprochen wird. Katalanisch ist eine komplett eigenständige Sprache, die zwar viele Gemeinsamkeiten mit Castellón besitzt, aber für selbst für gebürtige Menschen aus Madrid überwiegend unverständlich bleibt. Im katalanischen Urbanistica Kurs IV habe ich deshalb kaum etwas verstanden. Zur Kurswahlzeit wurde nur ein anderer Kurs auf Castellón angeboten, der sich zeitlich mit meiner übrigen Auswahl überschnitten hat. Vor meinem Aufenthalt hatte ich außerdem die Vorstellung, dass katalanisch vielleicht nur ältere Menschen sprechen würden. Auch diese Vorstellung ist falsch, weil alle Studierenden perfekt katalanisch untereinander sprechen. Sehr viele können auch Castellón sprechen. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass sie sich nicht viel lieber in ihre Muttersprache katalanisch unterhalten. Immerhin war die Projektarbeit im Urbanisticakurs dadurch kein Problem und insgesamt sehr positiv.
Zum katalanischen kann ich zusammenfassend sagen, dass ich das Gefühl hatte, meinen Auslandsaufenthalt in Katalonien, nicht in Spanien, zu verbringen. Ich habe mich während der 5 Monate überwiegend in Katalonien aufgehalten, wo die Menschen Adeu statt Adiós sagen und die Bildung von Vergangenheit und Zukunft grammatikalisch genau umgekehrt zum Castellón gestaltet wird. Nachdem ich mehr über die spanische Geschichte erfahren habe, ist auch das gute Recht der Katalanen, ihre Sprache nicht nur frei zu sprechen, sondern auch stark zu fördern. Jedes Mal, wenn ich etwas auf katalanisch nicht verstanden habe, habe ich mich dann gefragt, bei wem denn der Denkfehler für die Sprachbarriere liegt. Weil ich nur Gast an ihrer ETSAV, in ihrem Katalonien, bin, kann ich nicht verlangen, dass sie nur für mich Castellón sprechen. Es liegt demnach an einem selbst, wenn man glaubt, oder einem der Glauben gemacht wird, dass man im Auslandssemester an der ETSAV seine harterarbeiteten Spanischkenntnisse verbessern kann und tief in die spanische Kultur eintaucht.
Es ist mir unerklärlich, warum für die Immatrikulation ein B1-Spanischzertifikat verlangt wird und mir gleichzeitig gesagt wurde, den TAP-Professor unter keinen Umständen auf Castellón anzusprechen. Anderer Fall: Als die nette wissenschaftliche Mitarbeiterin im Urbanisticakurs merkte, dass ich als einziger im Kurs nichts verstehe und sie ihre Präsentation beeindruckend spontan und nahtlos ins Castellón übersetzte, wurde sich im Anschluss darüber beschwert. Zusammenfassend möchte ich die Szene skizzieren, als bei der Abschlußpräsentation dieses Kurses wie immer alles auf katalanisch ablief und der Professor danach mit dem Google-Übersetzer auf mich zukam und es aus seinem Handylautsprecher auf Deutsch erklang: “Vielen Dank für ihre sprachliche Geduld“. Meiner Meinung nach sollte der Austausch sprachlich bereichern, nicht zu einer Geduldsprobe werden. Weil die Sprache außerdem so zentral im Alltag ist, war es schwer mit den Einheimischen echte Verbindungen aufzubauen. Eine Kursteilnehmerin hat mir auf die Frage geantwortet, wie man zu den Katalanen durchdringen könnte, dass man eben die gleiche Sprache sprechen müsste.
Alltag und Freizeit
Während meiner Erfahrung mit dem katalanischen an der ETSAV wenig positiv war, hatte ich nichtsdestotrotz nach Abgabefrist an der HCU eine fantastische Zeit in Barcelona. Die Stadt ist meiner Ansicht nach die perfekte europäische Stadt, die architektonisch wunderschön ist und in Stadtplanungsfragen hochinteressante und hochaktuelle Ansätze verfolgt. Die zwei Gesichter der Stadt, das turbulente Großstadtleben und die Ruhe am Meer faszinieren mich bis heute. In Barcelona gibt es zahlreiche Erasmusorganisationen. Am bekanntesten sind ESN, mit zahlreichen Unterorganisationen je nach Uni, und Erasmus Barcelona. Beide veranstalten viele, unterschiedliche und regelmäßige Events. Sehr ans Herz legen kann ich das Beachvolleyballturnier jeden Sonntag am Strand. Für den Clubbesuch versorgen diese und weitere Studentenorganisationen einen darüber hinaus mit Gästeliste um häufig gratis in Clubs zukommen, die üblicherweise alle mindestens 15 Euro Eintritt kosten. Außerdem werden gemeinsame Kurztrips zu viele europäischen und nordafrikanischen Zielen angeboten. Internationale Freunde zu finden ist angesichts der zahlreichen Veranstaltungen kein Problem. Mein persönliches Highlight war eine Kurzreise nach Marokko und dort die unglaublich beeindruckende Sahara zu entdecken.
Fazit
Auch wenn Barcelona nicht meine erste Wahl war, hatte ich dennoch insgesamt eine wunderbare Zeit, die mir zahlreiche Erinnerungen beschert hat, die ich nicht vergessen werde, die mich prägen. Außerdem hat mich das Architekturstudium beruflich weitergebildet. Dafür bin ich allen dankbar, die mich auf diesem Weg begleitet haben und diese Erfahrung erst möglich gemacht haben. Da für mich ein kultureller Austausch ein tiefes Eintauchen in die Kultur des Ziellandes bedeutet, wurde ich aufgrund des Katalanischen doch zugleich auch enttäuscht. Der interkulturelle Austausch hat in meinem Fall mit allen anderen Nationalitäten außer der Spanischen stattgefunden.
Allen nachfolgenden HCU-Studierenden will ich natürlich nicht den Mut absprechen, nach Barcelona zu fahren. Wie erwähnt ist es eine bezaubernde Stadt, in der man so viele großartige internationale Kontakte knüpfen kann wie wahrscheinlich nie wieder im Leben.

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