
Perfekt zwei Wochen ist es seit dem letzten Blogeintrag her, daher ist es wieder an der Zeit, hier meine Erinnerungen zu teilen. Fangen wir erstmal ganz nüchtern an, die Zeit vor Ostern war doch intensiv aus universitärer Sicht: Wir haben LOW3-Thorsten nach langem Atem und dem Bau eines Prototyps überzeugen können, dass wir mit unserem Sonnensegel aus Jute jetzt in die Massenproduktion für die Terrasse des Pavillon gehen können. Weil wir natürlich wollten, dass die Uni die Kosten trägt, mussten wir beweisen, dass es eine nachhaltige und sinnvolle Lösung ist. Da die Sonne schon gut Meter in Richtung Süden macht, wird der Sonnenschutz mehr und mehr gebraucht.

Letzte Woche waren hier übrigens Ferien, die sogenannte Semana Santa, wegen Ostern. Am Donnerstag davor hatten wir uns mit der Projektgruppe des obigen Proyectes vorgenommen unseren Prototyp doch einmal ausgiebig zu feiern. Nachdem ich meine Kompromissskills unter Beweis stellen konnte (man wohnt ja doch in den unterschiedlichsten Ecken der Stadt) haben wir es letztendlich alle ins Le Cyrano geschafft. Davor habe ich noch einen erste Sahne Syrer entdeckt, der vielleicht gute Schwarma-Sandwiches macht! Das Le Cyrano allerdings hat mir schon lange auf der Seele gebrannt. Es ist eine sehr bekannte Studentenbar, in die wir beim letzten Mal aufgrund von Überfüllung nicht reinkonnten. Mann muss sich das mal klar machen: vor der B A R war eine Schlange von 100 Personen. Da wir beim letzten Mal relativ spät da waren, hatten wir uns diesmal vorgenommen früher vor Ort zu sein. Um 10:00 abends waren wir dann auch die ersten und einzigen im Laden - spanische Ausgehzeiten eben.... Mehr und mehr füllte sich dann aber die Bar und wir bekamen zu spüren, warum die Bar so beliebt ist.
Mein spanischer Mitbewohner hatte mir die Bar mit großen Worten empfohlen. Sie ist im Grund genommen eine katalanische Hausparty. Man merkt's daran, dass am Eingang eine ältere Frau steht und jeden mit Skepsis befragt, ob er denn auch über 18 sei. Man merkt es auch daran, dass die Bar nicht schick ist, alles ist rudimentär. Man sitzt auf Hockern und einen Service gibt es nicht. Man merkt es ebenfalls daran, dass wirklich nur junge Katalanen dort sind. Um den Vergleich perfekt zu machen, es ist im Le Cyrano genauso wie auf einer katalanischen Hausparty, weil irgendwann die ganze Bar Lieder gesungen hat, von denen wir kein Wort verstanden haben und die Jungs vor der einzigen Männertoilette keine Geduld mehr hatten und ins Waschbecken gepinkelt haben.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, was macht die Bar denn zu so einem Hotspot. Meine zwei Theorien: 1. das kostenlose soviel-du-willst Popcorn und 2. die Selbstbedienung am Alkohol. Gerade letztes konnte ich nicht glauben, als es mir der Mitbewohner hier erzählte. Ich konnte meinen Augen auch nicht trauen, als ich an der Bar einen Tequila Limon bestellte und vor mir ein Glas mit Eiswürfeln, die Flasche Tequila und das Schweps Limon auf die Theke gestellt wurden. Es ist die erste Bar die ich kenne, in der man den Verlauf seines Abends frei bestimmen kann und sich 1/4 oder 3/4 des Glases mit dem Alkohol füllen kann. Für 4,5 Euro ist das ein tolles Konzept und wir werden sicherlich noch einmal wiederkommen, weil Barcelona einfach eine unglaublich teure Stadt zum ausgehen ist. Es liegt nicht einmal unbedingt an den Preisen. Wie man unten sehen kann, sind wir noch zur 1 Euro Shot Bars weitergezogen, sondern vielmehr daran, dass ein Pregaming oder gar eine Party in den Wohnungen hier schlicht unattraktiv bis unmöglich ist, also große Mengen in der Bar zu verdursten sind. Aufgrund der hellhörigen, unbelichteten und kleinen Wohnungen hier ist es fest in der spanischen Kultur verankert, sich in einer Bar einen reinzukippen, bevor man sich auf die Tanzfläche schwingt. Summiert man die Drinks dort dann auf, kann der Abend mit den 15 Euro Eintritt für den Club schnell mal teuer werden.
Das Le Cyrano ist demgegenüber eine Bar, die das bietet, was alle Studenten hier suchen und einem einen geilen und günstigen Abend ermöglicht - für uns daher immer einen Besuch wert!
Shots aller Art, bei denen gerne mal die Theke zur Show in Flammen aufgeht
Falls sich schon mal jemand gefragt hat, wie man denn bei der ganzen Musik in den Bars über der Bar noch wohnen kann, für den habe ich hier eine Lösung: Ich sag nur Tonstudio.
Am Samstag bin ich dann in der Frühe nach Valencia aufgebrochen, um gute Freunde zu besuchen, die Erasmus hier in Hamburg gemacht haben. Die 5 stündige Fahrt mit der Bimmelbahn hat mich wirklich den letzten Nerv gekostet - aber sie war günstig. Um daher schnell wieder auf bessere Gedanken zu kommen, bin ich in meine alte Hood spaziert. Dort wurde ich zwar in meinem Stammlokal nicht mit Namen begrüßt, aber habe dafür einen Dürum essen können, der an Qualität nichts eingebüßt hat. Ja ich weiß, in Spanien Dürüm essen, warum?! Ich sag nur überzeugt euch selbst von Munzur's Grillhouse in Valencia - selbstmachter Fladen und frische Zutaten werden euch davon überzeugen, dass das hier einer der besten Dürüms ist, die ihr je probiert haben werdet.
Natürlich habe ich auch ein bisschen Sightseeing gemacht und mir die Ciudad de las Artes y Sciencias genauer angeguckt - hübsch, aber nicht meine Vorstellung von Architektur, die den Leuten vor Ort wirklich etwas bringt. Ansonsten habe ich den Tag in meinen beiden Lieblingsparks verbracht, die einfach atemberaubend und perfekt sind.

Mit Maria war ich dann noch eine Copa trinken und Pañuelos probieren (valenzianische Interpretation eines Donuts, mit heißer Schokolade zu empfehlen)
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